Neuntöter - bedrohter Heckenbewohner

Sein natürlicher Lebensraum - offene Landschaften mit vielen Hecken - ist durch die intensive Landnutzung bedroht. Der Vogel des Jahres 2020 ist Botschafter für die Verbesserung der Ökologischen Infrastruktur.
Neuntöter © Patrick Donini

Vorrat an Insekten

Der mit seiner schwarzen Piratenbinde, dem grauen Kopf und dem rostroten Rücken gut erkennbare Neuntöter war noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der ganzen Schweiz häufig. Er fand überall Hecken mit Dornbüschen oder Wildrosensträuchern und in den Wiesen ein reichhaltiges Angebot an verschiedenen Insekten wie Heuschrecken, Grillen und Schmetterlingen sowie kleine Mäuse, Eidechsen und junge Vögel. Da Insekten bei Regenwetter kaum aktiv sind, hat der Neuntöter ein interessantes Verhalten entwickelt: Er legt Vorräte an, indem er seine Beutetiere auf Dornbüschen aufspiesst.

Zuhause in den Dornen

Dornbüsche sind aber nicht nur als „Vorratskammern“ wichtig für den Neuntöter, sondern auch als Nistplätze, die dem Nest guten Schutz bieten. Das Männchen zeigt dem Weibchen verschiedene Nistplätze, das Weibchen liest den definitiven Brutplatz aus. Nach dem Nestbau legt es 3-7 Eier und brütet diese in 13-16 Tagen aus. Die Jungen bleiben etwa 15 Tage im Nest und werden nach dem Ausfliegen noch circa 3 Wochen von den Altvögeln geführt. Danach machen sich die Neuntöter bereits im August/September wieder auf den Flug nach Afrika.

Neuntöter-Weibchen © M. Ruppen

Bedrohung durch intensive Landwirtschaft

Früher überall verbreitet, kommt der Neuntöter heute nur noch an mageren Standorten vor allem im Jura und in den höheren Alpenregionen vor. Im Mittelland gibt es im Kulturland nur noch vereinzelte Paare. Bei Meliorationen ab den sechziger Jahren wurden Hecken und Buschgruppen in grosser Zahl aus dem Kulturland entfernt. Wegen massivem Einsatz von Gülle und Kunstdünger, Herbiziden und Pestiziden, vielfachem Schnitt der Wiesen und der Vernichtung vieler Kleinstrukturen brachen die Insektenbestände im Kulturland in den letzten Jahrzehnten zusammen. Es ist ein Alarmzeichen, dass sich der Bestand des Neuntöters in den letzten 30 Jahren halbiert hat. Die Investitionen in Milliardenhöhe in die Landwirtschaft durch den Bund begünstigen grösstenteils eine Produktion, welche weder auf die Biodiversität noch auf Böden und Wasser ausreichend Rücksicht nimmt.

Neuntöter-Männchen © Lubos Houska

Bessere Ökologische Infrastruktur nötig

Der Neuntöter ist ein guter Botschafter für die Ökologische Infrastruktur, die im Zentrum der Kampagne 2020-2024 von BirdLife Schweiz steht. Die Ökologische Infrastruktur besteht aus Kerngebieten und Vernetzungsgebieten naturnaher Flächen (Waldreservate, Auen, Biodiversitätsförderflächen usw.) für die unterschiedlichen Arten. Bereits 2012 hat der Bundesrat beschlossen, für die Sicherung und Stärkung der Biodiversität eine Ökologische Infrastruktur einzurichten. Auch im Programm Natur 2030 des Kantons Aargau ist die Ökologische Infrastruktur ein Schwerpunkt. 29 Prozent der Kantonsfläche müssten gemäss Berechnungen des Kantons naturnahe Flächen sein, um den Biodiversitätsverlust im Aargau endlich nachhaltig zu stoppen.

Helfen Sie mit, sodass im Aargau wieder mehr Insekten und Vögel fliegen können!

 

Quellen: BirdLife Schweiz / Wikipedia

Der Neuntöter (Lanius collurio) oder Rotrückenwürger ist eine Vogelart aus der Familie der Würger (Laniidae) und in Mitteleuropa die häufigste Würgerart. Er ist vor allem durch sein Verhalten bekannt, Beutetiere auf Dornen aufzuspiessen.

Als Lebensraum dienen dem Neuntöter halboffene Landschaften mit vielen Sträuchern in Europa und im westlichen Asien. Er brütet bevorzugt in dornigen Hecken. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft ging der Bestand des Neuntöters in Mitteleuropa in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stark zurück.

Der Neuntöter ist ein Zugvogel und überwintert im südlichen Teil Afrikas.

Was hat es mit diesem Namen auf sich?

Der Name Neuntöter bezieht sich auf den Volksglauben, der Vogel würde erst neun Beutetiere aufspiessen, bevor er sie verspeise. Hieraus entstanden auch ähnliche Namen wie Neunmörder oder Neunwürger. Ebenfalls auf das Aufspiessen der Beute beziehen sich die Namen Dorndreher, Dornreich, Dornkreul oder Dorntreter. Die Bezeichnung Falkensänger scheint auf seinen falkenartigen Schnabel hinzudeuten. Da selbst noch im 18. Jahrhundert nicht einwandfrei zwischen den Arten unterschieden wurde und mehrere einheimischen Würger als „Neuntödter“ bezeichnet wurden, sind nicht alle volkstümlichen Namen eindeutig Lanius collurio zuzuordnen.

Materialien von BirdLife Schweiz

BirdLife Schweiz stellt Materialien über den Neuntöter zur Verfügung:

BirdLife Schweiz

Hier finden Sie den vollständigen Pressetext und Fotos zum Download von BirdLife Schweiz:

Vogel des Jahres 2020

Archiv

Vogel des Jahres 2019: Kiebitz

Vogel des Jahres 2018: Wanderfake

Vogel des Jahres 2017: Wasseramsel

Vogel des Jahres 2016: Buntspecht

Vogel des Jahres 2015: Haussperling