Buntspecht

Ein Bauherr mit Nachmietern - Buntspechte bauen ihre Bruthöhlen in alte Bäume. Werden die Höhlen frei, ziehen viele andere Tierarten gerne ein.

Bild: Beni Herzog

Der bekannteste unter den Spechten in der Schweiz

Unsere häufigste und am weitesten verbreitete Spechtart stellt geringe Ansprüche an den Lebensraum und brütet auch in städtischen Parkanlagen. Die wichtigste Voraussetzung an seinen Lebensraum stellen die alten Bäume dar. Das ist auch der Grund, warum BirdLife Schweiz den Buntspecht zum Vogel das Jahres auserkoren hat. An seinem Beispiel lassen sich der Wert und die Bedeutung von alten Bäumen im Wald, aber auch im Siedlungsraum gut erläutern.

Totholz lebt

Achten Sie bei Ihrem nächsten Waldspaziergang einmal besonders auf alte, sogar schon abgestorbene Bäume. Dies ist im Winter nicht ganz einfach, da jetzt das fehlende Laub kein Hinweis bietet. Trotzdem werden sie erkennen, wenn ein Baum bereits gebrochen ist und nur noch ein Teil seines Stammes in den Himmel ragt. Der Förster nennt diesen Baum 'stehendes Totholz'. Ihn stehen zu lassen ist nicht etwa Ausdruck von Unordnung. Stehendes Totholz lebt! Häufig finden sich darin bereits eines oder mehrere Spechtlöcher. Nicht alle werden von Spechten bewohnt. Die Löcher stammen von mehreren Brutsaisons und werden inzwischen von vielen Nachmietern genutzt. Neben Insekten wie Käfer und Bienen freuen sich auch viele Vogelarten oder gar Kleinsäuger auf ein vom Specht gezimmertes Nest.

Alte Bäume sind wichtiger Lebensraum

Auch in Parks oder als allein stehende grüne Inseln im Siedlungsraum werden alte Bäume von Spechten genutzt. Nicht nur für den Bau der Bruthöhlen sind Spechte auf diese Bäume angewiesen. Auch für die Futtersuche brauchen sie sie.

Botschafter für grosse Bäume und Hecken im Siedlungsraum...

Grosse, einheimische Bäume kommen durch das verdichtete Bauen unter die Räder und müssen bei  Neubauprojekten wieder bewusst eingeplant werden. Sie sind nicht nur Lebensraum für Buntspecht und Co., sondern prägen ein Quartier, bieten Kühlung im Sommer und filtern Staub aus der Luft. Hecken mit einheimischen Büschen blühen im Frühling und setzen im Herbst Farbakzente mit ihren Früchten, die bei vielen Tierarten begehrt sind.

Informationen zum Vertiefen

BirdLife Schweiz hat eine spannende Auswahl an weiterführenden Materialien erarbeitet. Diese finden sie hier.

 

Spechtschmiede

Wenn im Winter die Insekten rar werden, nutzt der Specht die Tannzapfen. Er trägt sie zu einem geeigneten Platz, wo er die Zapfen einklemmen kann, um sie dann akribisch zu zerhacken und die Samen zu geniessen. Solche Futterplätze werden auch "Spechtschmieden" genannt und werden von mehreren Vögeln genutzt.

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Video: Markus Haller

Steckbrief

Bild: Beni Herzog

Geschickt und vielseitig
Mit seinem starken Schnabel und bemerkenswerter Wucht zerkleinert der Buntspecht morsches Holz, um Insektenlarven mit seiner speziellen, harpunenartigen Zunge mit Widerhäkchen herausziehen zu können. Insbesondere im Herbst und Winter stehen auch Früchte und Samen auf der Speisekarte. Tannenzapfen oder Haselnüsse werden in einer Astgabel oder einer Kerbe eingeklemmt und dann mit dem Schnabel geöffnet, um die Samen herauszuholen. Solche Spechtschmieden nutzt der Buntspecht regelmässig. Im Frühling ringelt er gelegentlich Bäume und leckt deren Saft.

Bild: Beni Herzog

Perfekt angepasst / Kein Kopfweh
Bereits ab Februar beginnt die Balz der Buntspechte. Sowohl Männchen wie Weibchen trommeln dabei auf morschen Ästen. Das Trommeln ist weithin hörbar. Schnabel und Kopf des Buntspechtes sind dabei enormen Belastungen ausgesetzt. Dank komprimierbaren Knorpeln, dem bestens geschützten Hirn und dem Unterschnabel, welcher die Wucht der Schläge z.T. auf den Körper ableitet, kriegt der Specht kein Kopfweh. Dank seinen verdickten Schwanzfedern, auf die er sich abstützen kann, und durch seine Wendezehe, die je nach Bedarf eingesetzt wird, kann sich der Buntspecht perfekt am Baum halten. Nach der Paarung legt das Weibchen circa 6 weisse Eier in die neu gezimmerte Baumhöhle, worin die Jungvögel gut geschützt aufwachsen. Die Jungvögel hört man kurz vor dem Ausfliegen intensiv aus der Baumhöhle rufen.

Quelle: SVS/BirdLife Schweiz

 

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