Ökologische Infrastruktur - Was heisst das konkret?

Die neue Kampagne 2020-2024 von BirdLife widmet sich der ökologischen Infrastruktur. In acht Milanausgaben zeigen wir anhand konkreter Beispiele, was das genau bedeutet.


Trockensteinmauern bieten Versteckmöglichkeiten für Eidechsen, Blindschleichen und Insekten.

Räume zum Leben

Zahlreiche Tier- und Pflanzenarten der Schweiz stehen heute auf der Roten Liste. Viele Lebensräume sind auf einen Bruchteil ihrer ursprünglichen Verbreitung zusammengeschrumpft. Die Schweiz steht zudem mit nur rund 6% Schutzgebietsflächen in Europa mit Abstand als Letzte aller Länder da. Der Handelsbedarf ist riesig. Genauso wie es im Verkehr, bei der Bildung oder bei der Energie eine bestimmte Infrastruktur braucht, braucht es auch bei der Natur ein ausreichendes Mass an naturnahen Flächen, die miteinander verbunden sind, damit Tiere und Pflanzen überleben können.

Der Aufbau einer Ökologischen Infrastruktur soll zusammen mit einer naturnahen Nutzung der ganzen Landesfläche und der Artenförderung für die langfristige Erhaltung und Förderung der biologischen Vielfalt sorgen. Insbesondere gewährleistet sie in allen Regionen die Sicherung der prioritären und gefährdeten Lebensräume und Arten in überlebensfähigen Beständen.

Was bedeutet "Ökologische Infrastruktur"?

Die Ökologische Infrastruktur ist ein landesweites, zusammenhängendes Netz von Flächen, welche für die Biodiversität wichtig sind. Das Netzwerk setzt sich aus einem Verbund von Teil-Netzwerken zusammen, die sich auf die Lebensraum-Ansprüche von Arten von nationaler Priorität, auf Lebensgemeinschaften und Ökosysteme abstützen. Sie umfasst nach einheitlichen Kriterien ausgewiesene, ökologisch und räumlich repräsentative Kerngebiete (Schutzgebiete), Trittsteine (kleinere Gebiete) und Vernetzungsgebiete. Diese sind von ausreichender Quantität und Qualität und sind so im Raum verteilt, dass sie von den entsprechenden Arten genutzt werden können.

Die Ökologische Infrastruktur trägt den Entwicklungs- und Mobilitätsansprüchen der einheimischen Arten Rechnung und sichert langfristig die Funktions- und Erneuerungsfähigkeit der Lebensräume, auch unter sich verändernden Bedingungen wie beispielsweise dem Klimawandel. Die Kerngebiete umfassen mindestens 17% der Landesfläche, zusammen mit den Trittsteinen und Vernetzungsgebieten rund einen Drittel. Die Ökologische Infrastruktur der Schweiz soll auch mit den grenznahen Schutzgebieten und ökologischen Korridoren im benachbarten Ausland verbunden sein.

Politik und Natur

Die Ökologische Infrastruktur ist ein zentrales Element der Umweltpolitik. Der Bundesrat hat deren Umsetzung mit der Strategie Biodiversität Schweiz 2012 beschlossen. Sie soll vollumfänglich und verbindlich in die raumplanerischen Instrumente integriert und umgehend und sektorübergreifend umgesetzt werden. Das Netzwerk wird auf nationaler, kantonaler und lokaler Ebene geplant und umgesetzt. Die Ökologische Infrastruktur trägt auch massgeblich zur Sicherung wichtiger Leistungen der Ökosysteme für Gesellschaft und Wirtschaft und zur Förderung der Landschaftsqualität bei.

BirdLife Schweiz, seine Kantonalverbände und lokalen Sektionen engagieren sich von der Gemeinde bis zum Bund dafür, dass die Ökologische Infrastruktur umgesetzt wird.

Und im Aargau?

In der Antwort auf die Interpellation Pfisterer vom 18. Dezember 2019 hat der Aargauer Regierungsrat aufgezeigt, welche Gebiete für die Natur nötig wären, um den Biodiversitätsverlust im Aargau zumindest zu stoppen: 29 % der Kantonsfläche. Aktuell gibt es aber nur 17 % natürliche und naturnahe Flächen im Aargau. Es braucht also zusätzlich 16‘848 Hektaren für die Natur.
Um Erfolg zu haben, muss die Ökologische Infrastruktur gleichberechtigt sein wie andere Infrastrukturen, zum Beispiel die Verkehrsinfrastruktur. Das bedeutet, dass es mehr finanzielle Mittel braucht und vorsorglichen Landerwerb für Naturschutzflächen sowie eine Festsetzung im Richtplan. Es braucht mehr feuchte Lebensräume, ein strukturreicheres Kulturland, mehr Naturflächen in Siedlungsraum und mehr Naturschutzflächen im Wald. 

 Quelle: BirdLife Schweiz, BirdLife Aargau

Jahresthema Milanartikel

Im ersten Milanartikel 2020 geht es um die Rolle der BirdLife-Sektionen bei Erhaltung und Ausbau der ökologischen Infrastruktur in der Schweiz.

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Im zweiten Milanartikel 2020 geht es um die Ökologische Infrastruktur im Aargau und um die nötigen Flächen zum Erhalt der Biodiversität in unserem Kanton.

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Im dritten Milanartikel 2020 geht es um konkrete Projekte der Ökologischen Infrastruktur in Bezug auf Arten, die an trockene und nährstoffarme Standorte gebunden sind.

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Kampagne von BirdLife Schweiz

Die neue Kampagne von BirdLife Schweiz 2020-2024 widmet sich der Ökologischen Infrastruktur.

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Fachgruppe Ökologische Infrastruktur

Gemeinsam mit den Kantonen, mit Forschungsanstalten und mit weiteren Naturschutzorganisationen hat BirdLife die Fachgruppe Ökologische Infrastruktur gegründet.

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Falterli

Dieser Faltflyer thematisiert die Wichtigkeit einer intakten ökologischen Infrakstruktur für die einheimische Tierwelt am Beispiel des Wiesels und lädt zu einer Entdeckungsreise ein.

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