Kiebitz - ausgewichen ins Kulturland

Sein natürlicher Lebensraum - Feuchtwiesen und Moore - ist durch die intensive Landnutzung verloren gegangen. Ausgewichen ins Kulturland, hat der Kiebitz dank Kooperationen von Landwirten und Naturschützenden neue Perspektiven.
Kiebitz © Beni Herzog

Vom Feuchtgebiet- zum Ackerbewohner

Ursprünglich bewohnte der Kiebitz (Vanellus vanellus) in der Schweiz feuchte Wiesen. Als Folge der Trockenlegung vieler Moore und Feuchtwiesen zur Gewinnung von Landwirtschaftsland brach der Kiebitz-Bestand bis Mitte des letzten Jahrhunderts massiv ein. Die Art wechselte dann auf Ackerflächen.

Bedrohung durch intensive Landwirtschaft

Die fortschreitende Intensivierung der Landwirtschaft wurde den Kiebitzen nochmals zum Verhängnis: Durch die intensive Nutzung des Kulturlandes mit zahlreichen Bewirtschaftungsgängen wurden Nester zerstört und Jungvögel überfahren. Wegen der massiven Anwendung von Pestiziden fehlt auch oft die Nahrung in Form von Insekten. Der Bestand wurde 1975 auf mindestens 1000 Paare, 1995 auf rund 450 Paare geschätzt. 2005 erreichte er mit 83 Paaren seinen Tiefstand.

Zusammenarbeit mit Landwirten bringt Erfolg

In enger Zusammenarbeit mit den Bewirtschaftern begleiten Naturschützer alle landwirtschaftlichen Arbeiten, damit weder Eier noch Jungvögel zerstört werden. Bei der Mahd von Wiesen wird ein Mosaik aus geschnittenen und stehengelassenen Grasstreifen geschaffen. Dies verschafft den Jungen den Zugang zur Nahrung und Schutz gegen Feinde aus der Luft. Zudem werden Ackerflächen mit feuchten Stellen aufgewertet. Diese Schutzbemühungen leiteten eine Trendwende ein: 2018 gab es in der Schweiz wieder 206 Brutpaare.

Im Aargau sind nur noch einige Bruten im Reusstal oberhalb Bremgarten bekannt. Die Bestände sind jedoch zu klein, als dass sie sich ohne Massnahmen erhalten könnten. Kiebitze gehören heute zu den bestbehüteten Vogelarten in der Schweiz. Das ist auch nötig, denn die Reise zum Überwinterungsgebiet und der dortige Aufenthalt bergen zusätzliche unwägbare Risiken für den Zugvogel. Langfristig ist eine höhere Erfolgsrate im Brutgebiet notwendig, damit wir im Frühjahr auch künftig und an immer mehr Orten die Kijuwit-Rufe der zurückkehrenden Kiebitze wieder vernehmen können.

Kiebitz © Andres Meier

Federholle und Schillerkleid

Der Kiebitz gehört zu den auffälligen und einprägsamen Vogelarten, sowohl seine optische Erscheinung wie seine Lautäusserungen sind unverwechselbar. Das Gefieder ist schwarz-weiss, die Oberseite schillert bei Sonnenschein metallisch grün bis violett. Der Brustlatz ist bis zur Kehle schwarz. Ein besonders hübsches Kennzeichen sind die Schopffedern, die sogenannte Federholle. Diese Schmuckfedern sind beim Weibchen etwas kürzer als beim Männchen.

Wo sich Kiebitze aufhalten, ertönen die charakteristischen Kijuwit-Rufe, woraus sich der deutsche Namen ableitet. Vor allem die Männchen sind während der Balzzeit stimmfreudig und zeigen dann ihre akrobatischen Balzflüge. Dazu gehören Loopings, Sturz- und Steigflüge. Hierbei sind die typischen, breit gerundeten Flügelspitzen erkennbar.

 

Quellen: BirdLife Schweiz / Milan Text zum Vogel des Jahres von Beni Herzog / Wikipedia

Spezielle Jagdtechniken

Kiebitze ernähren sich überwiegend von kleinen Bodentieren. Dazu wenden sie zwei verschiedene Techniken an. Bei der einen verharren sie nach einer Reihe von schnellen Schritten einen kurzen Moment an Ort. In dieser Position lauschen sie nach allfälliger Beute und picken diese auf. Die zweite Technik ist das „Bodenklopfen“ oder „Fusstrillern“. Dabei stehen sie auf einem Bein und bewegen das andere rasch vibrierend auf und ab, ohne den Bodenkontakt zu verlieren. Auf diese Weise simulieren die Kiebitze Regen, was Beutetiere wie Regenwürmer aus der Erde lockt.

Der Kiebitz (Vanellus vanellus) ist eine Vogelart aus der Familie der Regenpfeifer (Charadriidae). Der Watvogel mit den breiten, paddelförmigen Flügeln ist für seine spektakulären Balzflüge bekannt, die auch als gaukeln bezeichnet werden.

Kiebitze sind Bodenbrüter; ihre Eier galten früher als Delikatesse, dürfen heute aber nicht mehr gesammelt werden, da der Kiebitz in seinem Bestand global bedroht ist. 2015 wurde die Art auf die Internationale Rote Liste gefährdeter Vogelarten gesetzt.

Der Kiebitz ist ein Zugvogel.

weiterführende Links

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Archiv

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Vogel des Jahres 2017: Wasseramsel

Vogel des Jahres 2016: Buntspecht

Vogel des Jahres 2015: Haussperling